Über mich

Ich wurde in Paderborn geboren und wuchs dort in ländlicher Umgebung auf.  Das Zentrum unserer Familie war eine Autowerkstatt, die mein Großvater nach dem Krieg gründete. Diese prägte mich und mein Leben sehr. Ich lernte dort wichtige Werte wie Bodenständigkeit, Zuverlässigkeit, Fleiß und Durchhaltevermögen.

Und so wuchs auch ich zu einem fleißigen und strebsamen Menschen heran. Ich schloss das Abitur als Jahrgangsbeste ab, machte eine Ausbildung zur IT-Systemkauffrau, studierte anschließend Wirtschaftingenieurwesen und arbeitete mehr als 10 Jahre für angesehene Unternehmen in der freien Wirtschaft. Ich verdiente gut, lebte in einer wunderschönen Altbauwohnung im Herzen von Münster und war in einer Beziehung mit einem Mann, der mir viel Sicherheit gab. Doch eines fand ich in alledem nicht: Das Gefühl zufrieden und erfüllt zu sein. 

Dann tat ich etwas für mich sehr Ungewöhnliches: Ich kündigte meinen sicheren Job, gab kurze Zeit später meine gemütliche Dachgeschosswohnung im Herzen von Münster auf, die ich mir erst ein Jahr zuvor mit viel Mühe und Liebe hergerichtet hatte und verkaufte und verschenkte den Großteil meiner Sachen. Bis auf mein Bett und ein paar Dinge, die mir am Herzen lagen, blieb am Ende nicht mehr viel übrig. Ich wusste nicht, was danach kommen würde. Ich wusste nur eines: Ich muss weg! 

Warum ich das tat? Ich musste es tun. Es gab keine Alternative. Ein zunehmendes Gefühl der Sinnlosigkeit, das ich für meine Aufgaben empfand und die immer lauter werdende Stimme in mir, die nach Veränderung und Freiheit schrie, konnte ich nicht länger ignorieren. Mein Ausbruch aus meiner langen Beziehung hatte das Rad schon einige Monate zuvor ins Rollen gebracht und nahm nun immer mehr Fahrt auf.

Als mein Vorgesetzter mir zu verstehen gab: „Man sieht dir an deinem Gesicht an, wie es dir geht. Änder das” war die Lawine nicht mehr zu stoppen.
Ich hatte es so satt, eine Rolle in diesem Spiel zu spielen, dessen Strategie so häufig gewechselt wurde wie ein Chamäleon seine Farbe. Und ich hatte es satt, Tag für Tag wie eine Zoogiraffe  aus dem Fenster zu schauen und mich mit lang ausgestrecktem Hals nach dem echten Leben in freier Wildbahn zu sehnen.

Ich hatte so eine wahnsinnige Sehnsucht danach draußen zu sein. Ich sehnte mich danach, mich so zeigen zu dürfen, wie ich bin. Sensibel und feinfühlig aber mit einem starken und kraftvollen Kern. Mit guten aber eben auch mit schlechten Tagen. So wie das nun mal so ist unter Menschen. Und mit dem Drang, meinen Beitrag zu leisten in dieser Welt. Etwas Echtes, etwas Sinnvolles. Ich sehnte mich nach ehrlichen, aufrichtigen Menschen und vertrauensvollen Beziehungen auf Augenhöhe. Ich hatte keine Ahnung wo und wie ich das finden sollte aber ich musste mich auf die Suche danach machen.

Im April 2016 gab ich meiner Sehnsucht nach. Ich packte meinen Rucksack, in dem sich neben den nötigsten Sachen auch ein leeres Notizbuch befand, schloss die Haustür hinter mir und lief los, ohne ein örtliches Ziel zu haben. Ich wollte dem Weg vertrauen und den Menschen, die mir auf diesem Weg begegneten. Und ich wollte lernen mir zu vertrauen, was ich bis dahin nie getan hatte. Also hangelte ich  mich von Tag zu Tag, von Schlafplatz zu Schlafplatz und ließ mich von den Begegnungen auf  meinem Weg und meiner Intuition leiten.  

Drei Fragen nahm ich mit auf den Weg:

  • Was ist mir wirklich wirklich wichtig?
  • Was brauche ich für ein gutes, erfülltes Leben?
  • Was bedeutet Freiheit für mich?

Also wanderte und schrieb ich und wanderte und schrieb. Ich wanderte und schrieb alles aus mir heraus, was heraus wollte und wunderte mich darüber, was dieser Weg mit mir machte. Fast 12 Wochen war ich unterwegs, hatte während dieser Zeit intensive Begegnungen mit Menschen und kam mir in dieser Zeit ein großes Stück näher. Was ich auf meinem Weg so alles erlebte, lesen Sie in der Kategorie Weggehschichten.

Diese Reise wurde zu einer der wertvollsten Erfahrungen meines Lebens und ich bin unendlich dankbar dafür. Das Wandern ist wie auch das Schreiben zu einem festen Bestandteil in meinem Leben geworden. Und so ist es mir ein großes Anliegen, die Heilsamkeit dieses Weges mit anderen Menschen zu teilen.