Müde vom Alltag? Ideen- oder orientierungslos? Wandern hilft! Und es muss nicht immer der Jakobsweg sein…

“Es muss nicht gleich immer der Jakobsweg sein”, denke ich, als ich im Zug sitze und vom Zielpunkt meines “Kurs im Wandern” nach Hause fahre. Körperlich erschöpft und gleichzeitig so inspiriert, voller Energie und Tatendrang. Ein Widerspruch? In keinem Fall!

Wieder einmal wurde mir in diesen drei Tagen klar, warum ich das Wandern so liebe. Draußen zu sein in der Natur, den ganzen Tag. Eine ganz klare Aufgabe zu haben: zu laufen, dabei gut auf mich Acht zu geben und abends geschafft und mit einer zufriedenen Schwere ins Bett zu fallen. Nicht darüber nachdenken zu müssen, was ich heute anziehe oder esse und was als nächstes auf meiner to-do-Liste steht. Zu reden, wenn mir danach ist und zu schweigen, ohne mich erklären zu müssen. Alles dabei zu haben, was ich für diese Reise brauche. Mich abends bei meinen Füßen zu bedanken, weil sie mich soweit getragen haben. Inspiriert zu sein von den Gesprächen und Begegnungen am Wegesrand. Erst Mittags zu bemerken, dass ich noch gar keinen Kaffee getrunken habe – obwohl ich glaubte, dass ein Start in den Tag ohne Kaffee kein guter Tag sein kann. Mit einem Butterbrot so glücklich und zufrieden zu sein, dass ich gar nichts anderes brauche. Den eigenen Körper dabei zu beobachten, wie schnell er sich an das Laufen gewöhnt. Dass es von Tag zu Tag besser geht statt schlechter (wie vielleicht zu erwarten wäre).

Für mich ist der Kurs im Wandern jedes Mal wieder eine Rückbesinnung auf das Wesentliche. Und es ist immer wieder erstaunlich, was in diesen drei Tagen so alles passiert – innerlich und äußerlich. Ich habe z.B.  einmal mehr erfahren, dass die körperliche Anstrengung, die bei mir in den letzten Monaten Winterschlaf hielt, mir einfach nur gut tut,  weil sie mein Selbstbewusstsein und mein Körpergefühl stärkt. Außerdem habe ich entschieden, den Kurs im Wandern so vielen Menschen wie möglich zugänglich zu machen und deshalb vorerst auf einen Festpreis zu verzichten. Mehr dazu hier.

Auch hatten wir so manche Mutprobe zu bestehen. Wir sind einer riesigen Waldtentakel begegnet, die uns Gott sein Dank friedlich vorbeiziehen ließ (wandern regt auch die Fantasie an ;-)) Wir mussten an drei Hochlandrindern vorbei (ohne Abzäunung!), die es sich an unserem Wegesrand gemütlich gemacht hatten und den zweiten Abend ohne die heiß ersehnten Pommes ins Bett gehen. Das einzige Lokal im Ort hatte zu. Dabei haben wir gelernt, dass es auch ohne geht und so ein alkoholfreies Weizen irgendwie auch satt und zufrieden macht.

Zum ersten Mal hatten wir tierische Begleitung. Meine Hündin Ronja und Lotti, die Hündin einer Teilnehmerin, waren Mitglied der KursimWandern-Crew. Dei beiden Hundedamen waren wunderbare Wegbegleiterinnen. Sie brachten uns immer wieder in den Moment zurück, zauberten uns ein lächeln ins Gesicht und erinnerten uns daran, regelmäßig Pausen einzulegen, die Mensch & Tier gleichermaßen gut tun. Am Ende waren wir ein eingeschweißtes Team (bzw. Rudel), das gegenseitig auf sich Acht gab. Gehen verbindet! Mit Menschen, Tieren und ganz wichtig: mit sich selbst!

Am Ende hieß es dann Abschied nehmen von der Freiheit da draußen und zurückkehren. Herrlich, wie man sich nach diesen drei Tagen dann wieder auf zu Hause freut! Auf die eigenen vier Wände, die lieb gewonnen Menschen und die ganz persönlichen Alltagsrituale. Und ich bin sicher: die ein oder andere unliebsame Gewohnheit und das ein oder andere Steinchen haben wir auch dieses Mal, vielleicht sogar ganz unbemerkt, am Wegesrand zurückgelassen…

Nein, es muss wirklich nicht immer der Jakobsweg sein. 

Ich freue mich schon auf den nächsten Kurs im Wandern! 

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